[Ger'e, No. 190. With note: Съ подлинника въ Моск. Арх. М. И. Д. Въ Ганнов. библиотеке хранится черновая этого письма, на которой помечено, что 26 iюля 1838 г. съ нея выдана копiя Жуковскому, сопровождавшому въ то время Е. В. Государя Наследника. English translation to follow.]
Allerdurchleuchtigster Grossmächtigster Czaar Allergnädigster Herr
Nachdem ich wieder verhoffen erfahren, dass die Ottomannische Pforte abermahl mit E. Gross Czaarischen Mt. zu brechen begriffen, und auch gegen Pohlen sich feindlich erzeige; so verursacht mein Eifer zu Dienst E. Mt. dass ich dero überschreibe, was ein sehr erfahrner und belobter General gegen mich gedacht, als bereits im vorigen Winter ein solcher Bruch besorget worden. Es bedünckte ihm nehmlich, dass Eure und des Königs zu Pohlen Mayt. mit aller dienlichen Macht so früh als müglich an den Fluss Niester oder Tyras sich zu sezen hätten, nicht weit von dem orth, wo König Uladislaus dem Sultan Osman in Person so glücklich wiederstanden. Man müste auch einige bequeme oerther zwischen dem Nieper und Niester wohl befestigen, und alle LebensMittel vor Menschen und Vieh theils zur Haupt armée, theils dahinein bringen lassen. Der Tartarische schwarm wäre durch eine gleichförmige leichte Reuterey zimlich in Zaum zu halten. Solte man nun einen solchen Post am Niester finden, welchen der Feind mit seinem Haupt corpo, wegen abgehender Subsistenz und ander Besorgniss, vermuthlich nicht leicht würde vorbeygehen noch hinter sich lassen dürffen; so wäre rahtsam sich daselbst wohl und weitläufig, mit gräben Brustwehr und flanquen zu veschanzen, und mit allem zu versehen; zumahl denen Türcken lange im felde zu stehen nicht wohl müglich.
Auff allen fall aber weil es kommen kan, dass man ins feld rücken müsste; wäre ein (so zu sagen) bewegliches retrenchement, nehmlich eine Wagenburg nöthig. Dann die Erfahrung gegeben, wie zu Zeiten die Türcken mit so dicken Hauffen eingedrungen, dass unsere bataillons erster und ander lini, als nicht hoch gnug, ganz zu boden getreten worden; darüber eine ganze Armée leicht zertrennet, und in Unordnung bracht werden kan. Dagegen ist nichts besser als ein Tabor oder Wagenburg, welche auch von alters hehr bey den Scythischen Völkern in ihren ebenen Feldern im gebrauch gewesen; da man ein unempfindliches hartes Holz der einbrechenden furi entgegensezet.
Weil aber bisweilen eine Wagenburg, wenn sie durchbrochen, zu deren so sie gebraucht verwirrung und untergang gedienet; wie dessen ein Exempel geben kan die schlacht so der Feldherr Johann Sobieski (hernach König) gegen die Türcken gewonnen; so vermeynte eben dieser General, dass sonderbare anstalten und vielfältige Vortheile zu guther Anordnung einer Wagenburg nöthig.
Es haben aber E. Mt. verständige Leute bey sich, die alles wohl ausfinden und veranstalten können. Und bin ich nicht ausser hofnugf, es werde diese der Türcken Friedbrüchigkeit mit Gottes Hülffe zu ihrem Verderben gereichen.
Ich bin ausser meiner profession diessmahl geschritten, weil ich nicht meine, sondern eines erfahrnen Kriegesmannes gedancken melden, und zugleich gelegenheit nehmen wollen, meinen Eifer zu dienst E. Mt. und meine erkentlichkeit zu bezeigen.
Sonsten habe annoch anfügen sollen; wofern iezo nicht müglich seyn solte den Krieg in Pommern und Meklenburg, (wie doch gleichwohl annoch hoffen will) zur decision zu bringen; so scheine doch es können die Sachen dergestalt gefasset werden; dass die Schweden in Teutschland gnugsam in Zaum zu halten, obschohn E. Mt. macht gänzlich, und die Pohlnische oder Sächss. gröstentheils, darauss gezogen würden.
Schliesslichen, habe sowohl an E. Mt. Generalfeldzeugmeister Herrn von Bruce, als an den jüngern H. Graf Golofkin, dero abgesandten zu Berlin bereits aus Dressden aussführlich geschrieben und gemeldet, worin ich aus E. Mt. Landen liecht und information zu dero Selbsteignen Dienst verlange.
Hoffe es werde solches zu E. Mt. oder dero Canzley Kundschaft kommen seyn.
Ich habe auch dem Herrn General de Bruce einen Brief an den H. Metropolit Ressanski zugestellet, darinn ich diesen ersuchet, sonderlich in einer Sach, so zu ausbreitung des Christlichen glaubens gereichen kan, nehmlich zu übersetzung der zehen geboth, des Vater Unser, und des Symboli Apostolici in die besondere Sprachen der Völcker, so in E. Mt. weitem Reich wohnen, oder daran grenzen, samt einem kleinen dictionariolo ieder Sprache, behülfig zu seyn. Wofern nun dieser vortreffliche geistliche E. Mt. willen diessfalls vernehmen möchte, ist kein Zweifel er würde umb so mehr an Hand zu gehen, sich eiferig erweisen.
Und ich verbleibe lebenszeit
E. Grossczaarischen Mayt.
allerunterthänigster Diener
G. W. Leibniz
Wien den 18 Dec. 1712.
An Seine Gross Czaarische Majestät allerunterthänigst.